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Beobachtung heller Kometen


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Hinweise zur Tagbeobachtungen von Kometen

von Uwe Pilz

29.1.2013

In Erwartung von C/2011 L4 und C/2012 S1


von F.W. Gerber

Drei Dinge halte ich – neben den üblichen Programmen  – für erwähnenswert, weil sie möglich, interessant und forschungsrelevant sind. Das sind:
1    Tagesbeobachtungen
2    Spektralbeobachtungen
3    Beobachtungen in südlichen, wolkenfreien Zonen

Ad 1 – Tagesbeobachtungen
Derartige Beobachtungen sind mir von West 1976 (trotz -3m !) nicht bekannt. Daß  bei Hale-Bopp 1997 Tagesbeobachtungen offenbar nicht versucht wurden  – jedenfalls habe ich darüber nicht gelesen, halte ich für ein arges Versäumnis. Am Tage dürfte man in der vom Taghimmel ausgeblendeten Koma viel näher an die Kernzone kommen als bei nächtlicher Beobachtung. Das sollte bei beiden Kandidaten versucht werden. Bei q = 0.3 aE könnte Panstarrs gar nicht günstiger stehen, querab und relativ weit von der Sonne bei prognostizierter Helligkeit von -2m im Perihel. Damit macht er fast dem Merkur Konkurrenz, der Mitte Januar in oberer Konjunktion steht – ein ideales Übungsobjekt!
Venus steht zur Zeit seines Perihels ihrerseits kurz vor der oberen Konjunktion, leider macht er einen großen Bogen um sie herum – aber für Tagesbeobachtungen als Übung für ISON ist sie ideal – ich kann darauf nicht oft genug hinweisen (und hatte bei McN 2007 davon profitiert).  1990 habe ich sie mit meinem 25x125 Vixen im Schatten des Turmes auf dem Feldberg im Taunus 34‘ neben dem Sonnenrand beobachtet, beschützt durch zwei Na-Interferenzfilter. 2013 steht sie immerhin per Distanz als Vergleichsobjekt in der Nähe zur Verfügung.
Bei ISON liegen für Tagesbeobachtungen die Dinge im Grunde ähnlich, wenn man von der extremen Perihelpassage einmal absieht. Aber für die gilt: was 1881 möglich war, sollte doch 2013 nicht unmöglich sein. Und wieder: 2° neben der Sonne die Ausströmungen aus dem malträtierten Kern zu beobachten, zu fotografieren oder gar zu filmen, wäre wirklich des Schweißes der Fachleute und der Techniker unter uns wert. Was interessieren mich demgegenüber Helligkeitsformel und Schweiflänge am Nachthimmel!

Ad 2 – Spektralbeobachtungen
Beim Durchstöbern alter Quellen für meinen damals geplanten Beitrag zum Kometenhandbuch (Visuelle Spektroskopie) stieß ich auf interessante Berichte: In großer Sonnennähe schlägt das bekannte Kohlenstoff-Spektrum um in ein Natrium-Spektrum. Das Jahr 2013 bietet die Möglichkeit, dieser Frage nachzugehen. Drei von mir im Laufe der letzten Jahre gemachten Beobachtungen könnte dazu passen.
1) als Hyakutake schon horizontnah stand, sah ich ihn zu meiner Überraschung im Vixen trotz der Na-Filter deutlich (mit einem C²-Spektrum sollte er eigentlich fast unsichtbar sein!) Er stand damals nahe?? Per – es gibt davon noch ein Foto. –
2) Von Hale-Bopp habe ich mehrmals mit meinem supermäßigem Instrumentarium (45°-Prisma vor 3.5/200mm-Tele ohne Nachführung) einige Spektralaufnahmen gemacht. Eine zeigt zwischen Grün und Rot einen hellen gelben Fleck, andere nicht. Ein Datum hatte ich damals nicht notiert, hatte Spaß an der Freud. –
3) C/2006 P1 (McNaught) im Jahre 2007 konnte ich zweimal mittags beobachten, beidemal wieder mit 25x125 und Na-Interferenzfiltern. Einen Bericht darüber hatte ich seinerzeit nicht eingereicht – es gab genug andere; er liegt jetzt auf unseren Internetseiten. Am 13.1. erschien mir der Komet der Venus an Helligkeit vergleichbar, dafür etwas größer und mit diffuserem Rand  – bei 25x und etwa 0‘2 Durchmesser  .   .  .; am 14.1. war ich froh, ihn überhaupt im Dunst aufgefunden zu haben. – Diese Daten sind nur Hinweise ohne wissenschaftliche Bestätigung. Doch 2013 könnten die alten Nachrichten von 1900 verifiziert und die Ursache für dieses Verhalten ergründet werden.
Ganz allgemein: jeder Kometenbeobachter sollte inzwischen ein passendes Baader-Gitter für spektrale Beobachtungen verfügbar haben. Ich lebe seit Bennett 1970 in dieser faszinierenden Welt – offenbar noch immer als Robinson. Wann kommt sein „Freitag“?

Ad 3 – Beobachtungsexpedition
Nach dem mit viel Aufwand Dargelegten bedarf dieses Thema keiner großen Rechtfertigung. Jede Sonnenfinsternis treibt Hunderte auf die Reise – sollte das bei ISON nicht auch möglich sein? Und da es ja nicht um Minuten geht, sondern um Stunden und Tage, dürfte ein Erfolg nicht ausbleiben – der Schatten eines der riesigen Instrumente auf dem Cerro Paranal könnte für mobile Beobachter ein idealer Beobachtungsplatz mit Very Large Shadow für einen halbmondhellen Kometen nahe dem Zenit sein. Noch wäre Zeit, daß die fgk konkrete Planungen anvisiert, die neben Reise und Logistik auch die wissenschaftliche Seite einbezieht, zB: was wollen wir / sollten wir in Angriff nehmen?  Wer kann mit welchen Instrumenten welches Teilgebiet abdecken? Was würde  konkret gebraucht (evt spezielle engbandige Filter – ein Satz Na-Filter für einen gelben Kometen auf schwarzem Hintergrund – Bortle!)? Würde Baader dabei helfen? Planen andere Vereinigungen ähnliches? Wäre eine internationale Kampagne sinnvoll?

Wenn ich ein paar Jahre jünger wäre .  .  .
Liebe Trias, auf eure Reaktionen bin ich so gespannt wie auf Panstarrs und ISON. Im Übrigen scheint Panstarrs nach Jahreszeit, Periheldistanz, Helligkeit und Bahn eine Neuauflage von Arend-Roland 1957 zu sein –  mein erster Komet.

14.12.2012            

Natrium-Schmalbandfilter

von Uwe Pilz


Na-Interferenzfilter gibt es in guter optischer Qualität als Zubehör für die Spektroskopie. Leider sind dort nicht die gängigen Filtergrößen erhältlich, sondern 1-Zoll-Filter mit 21 mm freier Öffnung. Dennoch lassen sich daraus mit geringem Aufwand 1,25"-Okularfilter basteln. Für die fotografische Anwendung an Weitwinkelobjektiven wird es komplizierter. Einige Objektive gestatten mglw. die behelfsmäßige kameraseitige Montage, z.B. mit kleinen Stückchen von Posterstrips. Dadurch verschlechtert sich wahrscheinlich die optische Qualität etwas. Vor allem verschiebt sich aber der Fokus, das muss man vorher ausprobieren. Der günstigste Lieferant ist Thorlabs, der schmalbandige Filter FB590-10 ist m.E. gut geeignet für die Natrium-D-Linien bei 589,0 nm und 589,6 nm. Neben der Beobachtung des Natriumschweifes bietet ein solcher Filter einen gewissen Schutz, wenn doch versehentlich der Sonnenrand ins Blickfeld rückt, Friedrich schrieb hierzu "Vor vielen Jahren brachte mir meine Tochter aus den Staaten 2 Natriumfilter mit ...Die Filter sind gut, auch bei 125mm Öffnung stirbt man nicht, wenn man an den Sonnenrand gerät!" Natürlich rate ich dennoch zu extremer Vorsicht, am besten die Sonne so abschatten, dass die durch den Tageslauf tiefer in den Schatten gerät und nicht herausläuft.
17.12.2012