Hinweise zur Verwendung der HIPPARCOS/TYCHO-Helligkeiten


In den letzten Wochen ist die Fachgruppe Kometen mehrfach um genauere Informationen bzgl. der für die visuelle Kometenbeobachtung zu empfehlenden Helligkeiten des HIPPARCOS/TYCHO-Katalogs um Auskunft gebeten worden. Hierzu hat sich insbesondere Matthias Achternbosch in den letzten Wochen nähere Gedanken gemacht. Die nachfolgende Abbildung zeigt zum einen die spektrale Empfindlichkeit des dunkeladaptierten Auges, zum anderen die spektrale Transmisson im VT- bzw. im V(Johnson)-System.

Vergleich der verschiedenen Systeme

Bezüglich des Verlaufs und vor allem des Maximums kommt demnach das VT-System dem dunkeladaptierten Auge am nächsten. Wie groß aber sind die Differenzen zwischen VT und V überhaupt? Zwischen beiden Systemen besteht der Zusammenhang V = VT - 0.09 × (B-V). Dies bedeutet aber, daß die Differenz für Sterne mit B-V < 2 (einschließlich Spektralklasse K) stets kleiner als 0.2 m ist - mithin innerhalb der Fehlergrenzen einer einzelnen Kometenschätzung liegt. Werden die übrigen Fehlerquellen berücksichtigt, so kann man getrost sagen, daß die Differenzen zwischen HV (V-Helligkeiten im HIPPARCOS-Katalog), TJ (V-Helligkeiten im TYCHO-Katalog) und TT (VT-Helligkeiten im TYCHO-Katalog) vernachlässigt werden können. Wen das nicht ganz zufriedenstellt, der sollte zukünftig darauf darauf achten, nur mit B-, A-, F- oder G-Sternen zu schätzen; damit wird der Fehler zwischen VT und V kleiner als 0.1m.

Etwas anders sieht es bezüglich des Hp-Systems des HIPPARCOS-Katalogs (HK) aus. Dieses umfaßt nämlich einen Bereich vom B- über das V-Band bis in den Infrarotbereich und zeigt daher für eine größere Zahl an Sternen signifikante Abweichungen von VT bzw. V. Zusammenfassend kann man festhalten: es können sowohl VT als auch V-Helligkeiten beider Kataloge benutzt werden, wobei eher darauf geachtet werden sollte, keine allzu roten Sterne zu verwenden (B-V < 1.5). Da allerdings das VT-System ein rein meßgerätebezogenes System ist (das in dieser Weise auf keinem weiteren Satelliten benutzt werden dürfte), während das V-System wohldefiniert ist, plädieren wir für die Verwendung der V-Helligkeiten. Eine übereinstimmende Bewertung ist übrigens in der eben erschienenen Januarausgabe von International Comet Quarterly (ICQ) veröffentlicht worden.


Andreas Kammerer (andreas.kammerer@lfuka.lfu.bwl.de)
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