Wann kehrt P/Pons-Gambart zurück?

Volker Kasten, Garbsen (11.05.2001)

Ein besonderes Merkmal der Kometen ist ihre Unberechenbarkeit. Das trifft, wie wir alle schon leidvoll erfahren haben, besonders auf die Frage der Helligkeits- und Schweifentwicklung zu. Praktisch unberechenbar kann bei einigen periodischen Kometen aber auch der Zeitpunkt ihrer Rückkehr ins Perihel sein. Prominentes Beispiel hierfür ist der Perseidenkomet Swift-Tuttle, der erst im Jahr 1992 wiederkehrte - ein Jahrzehnt später als nach den meisten Prognosen.

Ähnlich gelagert ist der Fall des periodischen Kometen Pons-Gambart, von dem nur ein Periheldurchgang im Jahr 1827 sicher belegt ist. Seine damalige Umlaufszeit ist nur unsicher bestimmt. Ogura (1917) gab hierfür 46 oder 64 Jahre an. Nach Nakano's erneuter Analyse (1978) betrug die Umlaufszeit 57.5 +/- 10 Jahre. Ein möglicherweise entscheidender Hinweis ergab sich 1979, als Hasegawa die Ähnlichkeit der Bahnelemente von Pons-Gambart mit denen des Kometen 1110 K1 entdeckte, der sein Perihel im Mai 1110 durchlief. Weitere Details zu diesem Kometen findet man in Gary Kronks Buch "Cometography", Volume 1.

In ihrer gemeinsamen Arbeit von 1995 (Publ. Astron. Soc. Japan 47, 699-710) versuchen nun Hasegawa und Nakano, die Erscheinungen beider Kometen rechnerisch zu verbinden. Dies führt auf neue Elemente für die 1827er Erscheinung des Pons-Gambart mit einer Umlaufszeit von 65.58 Jahren und einer Exzentrizität von e=0.9503946. Sollten diese Elemente zutreffen, käme der Komet erst am 31.1.2022 ins Perihel zurück.

Eine auf diesen Elementen basierende Suche nach früheren Erscheinungen des Kometen Pons-Gambart verläuft allerdings wenig überzeugend. Die Autoren geben eine Tabelle mit berechneten Periheldurchgängen im Zeitraum -194 bis 2022 an. Hiernach sollte es nach der Erscheinung 1110 noch fünf Periheldurchgänge mit günstigen Beobachtungsbedingungen (darunter der 1827er) gegeben haben. Aber nur für den Durchgang im Jahr 1239 fand sich eine Kometensichtung, die sich auf Pons-Gambart beziehen könnte. Bemerkenswert ist, dass der Komet anläßlich seines günstigen Perihels am 12.6.1892 nicht beobachtet wurde. Er müßte damals Ende Juni als knapp 4 mag helles Objekt zirkumpolar über den Nordhimmel gezogen sein und Anfang Juli mit etwa 5,5 mag den Großen Wagen durchquert haben. Es fällt schwer zu glauben, dass ein solcher Komet einfach übersehen wurde. Wenn man nicht die ad hoc-Annahme eines Helligkeitseinbruchs machen will, stellt diese Nichtbeobachtung meiner Ansicht nach die 1892er Perihelzeit und damit die ganze Bahnlösung erheblich in Frage.

Bei Lage der Dinge fand ich es reizvoll, den Anschluss von Pons-Gambart an den Kometen von 1110 einmal selbst zu versuchen, um vielleicht noch andere mögliche Bahnen von Pons-Gambart aufzuspüren. Dazu habe ich mit Hilfe geeigneter Integrationsprogramme diverse Startelemente aus 1827 numerisch bis zurück zum Jahr 1110 integriert. Als Software dienten vor allem REDSHIFT 3 und SOLEX 7.0, ein public-domain Programm von Aldo Vitagliano, sowie DANCE OF THE PLANETS. Dabei wurde nur ein Parameter, die Exzentrizität e, variiert, und zwar im Bereich e=0.943 - 0.952 (das entspricht 1827er Umlaufszeiten zwischen 53 und 69 Jahren), die übrigen oskulierenden Elemente für 1827 wurden unverändert aus GUIDE7 übernommen. Für jeden Testkometen wurde jeweils geprüft, wie gut er dem "Wunschperihel" im Mai 1110 nahekam.

Die beigefügte Abbildung gibt einen Überblick über die Ergebnisse. Über der oskulierenden Exzentrizität (für 1827) sind die interessierenden Perihelzeiten aufgetragen. Die waagerechte Linie deutet den Wunschtermin in 1110 an. Ein Kreuz (+) markiert Rechnungen mit REDSHIFT, während für die Rechnungen mit SOLEX ein kleiner Kreis verwendet wurde; die Hasegawa-Nakano-Lösung ist mit einem roten Kreis markiert. Die Ergebnisse der verwendeten Programme sind dem Anschein nach konsistent. Auch DANCE lieferte vergleichbare Resultate.

Perihelzeiten in Abhängigkeit von der Exzentrizität

Man erkennt mehrere mögliche Bereiche für die Exzentrizitäten, die auf Periheldurchgänge unweit von 1110 führen. Ein Bereich erstreckt sich etwa von e=0.9446 bis e=0.9455, mit zugehörigen Perihelzeiten zwischen den Jahren 1103 und 1112. Allerdings führen diese Exzentrizitäten bei Vorwärtsintegration von 1827 bis zur Gegenwart auf Perihelia im Zeitraum 1990 - 1995, der ja bereits ergebnislos verstrichen ist.

Sehr gut dargestellt wird die Lösung e=0.9503946 von Hasegawa und Nakano, die also auch bei meinem Ansatz als vielversprechend in Erscheinung tritt. Sie ist optimal plaziert in einem "verdächtigen" Bereich zwischen e=0.9499 und e=0.951. Wie erwähnt, müßten wir bei solchen Exzentrizitäten noch rund zwanzig Jahre auf den Kometen warten.

Wie mir scheint, gibt es aber doch eine gewisse Hoffnung, dass wir nicht ganz so lange warten müssen. Denn ein Blick auf die Abbildung zeigt noch zwei weitere Möglichkeiten, nämlich in der Nähe von e=0.94667 und beim scharf definierten e= 0.948379, wo die Periheltermine einen steilen Sprung nach unten machen. Dieser Sprung könnte zurückgehen auf das 14. Jahrhundert, wo es den Kometen im Aphel 1365 nach DANCE ungewöhnlich weit hinaustrug, obwohl das Programm keine einfache Ursache hierfür erkennen läßt.

Der erste Wert (e=0.94667) liefert nach Vorwärtsintegration ein Perihel zum Jahresende 2003, während der Komet mit e=0.948379 erst im Jahr 2012 zurückkäme. Vor dem Jahresende 2003 ist Pons-Gambart jedenfalls nicht zu erwarten.

Siehe auch den Beitrag von Andreas Kammerer.

Zurück...